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    <title>LIBREAS Referate Blog - Verschiedenes</title>
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    <description>Besprechungs-Blog zur elektronischen Zeitschrift LIBREAS - Library Ideas</description>
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    <pubDate>Sat, 17 Jan 2009 21:27:25 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: LIBREAS Referate Blog - Verschiedenes - Besprechungs-Blog zur elektronischen Zeitschrift LIBREAS - Library Ideas</title>
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    <title>Vom schlechten Lesen und wie die Neurowissenschaft dieses verabschiedet</title>
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    <author>nospam@example.com (LIBREAS)</author>
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    &lt;br /&gt;
Anmerkungen zu:&lt;br /&gt;&lt;b&gt;&lt;p&gt;Stein, John (2009): Our reading&#039;s bad - but not that bad. In: Standpoint. Issue 8 (January 2009) S. 54 &lt;br /&gt;Online: &lt;a href=&quot;http://www.standpointmag.co.uk/node/726/full&quot;&gt;www.standpointmag.co.uk/node/726/full&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/b&gt;&lt;p&gt;von Ben Kaden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Einstieg der Ausstieg. John Stein, emeritierter Professor für Neurowissenschaften an der University Oxford, schließt seinen Ausflug in die Lesetheorie mit folgender Passage: &lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;br /&gt;However, if the finer points of spelling and the complicated rules of where to put an apostrophe are really instruments of social control and establishing status, one has to ask whether these skills are really going to be necessary in the 21st century. Now that computers can become an extension of one&#039;s cognition in the same way as a violinist&#039;s bow becomes an extension of his hand, PCs could perhaps do the dogsbody work of reading and re-enfranchise our poor readers, allowing their brains to do the things they&#039;re much better at. Perhaps we should abandon social control by the tyranny of the complicated rules of grammar and illogical spelling and recognise that tomorrow&#039;s children may not need to learn to read at all.&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;
Mit radikalen Thesen fängt man sich die Aufmerksamkeit ziemlich sicher. Aber manchmal ist es schon des Guten reichlich. John Stein holt im allgemein als konservativ gestempelten britischen Magazin &lt;i&gt;Standpoint&lt;/i&gt; mit seinen Standpunkt mächtig weit aus, wenn er für die Abschaffung der Rechtschreibung (oder ihrer komplizierten Elemente) eintritt und mehr noch das Ende des Lesens voraussagt, welches, von ihm anscheinend nicht ganz unbegrüßt, die Computertechnik herbeiführen soll.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein Forschungsschwerpunkt betrifft das Phänomen der Dyslexie, was die Motivation des Ansatzes in gewisser Weise erklärt. Die Argumentation aber nicht. Dyslexie erweist sich als ein akutes und kontrovers diskutiertes Thema. Immerhin sind bis zu einem Fünftel der Menschheit betroffen, wobei es je nach Sprachkultur (bzw. Orthografie, vgl. DOI:10.1126/science.1057179) Unterschiede zu geben scheint. Allerdings führt Stein an, dass im Vereinigten Königreich 30 Prozent der Bevölkerung das Lesevermögen von 11-Jährigen besitzen. Ob er in der absoluten Zahl von 20 Millionen auch die unter 11-Jährigen berücksichtigt, wird nicht differenziert. Ebenso, ob ein solch begrenztes Lesevermögen als dyslexisch einzustufen ist oder motivational bedingt ist. Und wo die Grenze zu ziehen wäre. Im Jahr 2001 sprach der Autor von &amp;quot;5-10% of children, particularly boys, are found to be dyslexic&amp;quot; (DOI:10.1002/dys.186) Vermutlich meint er also in der Gesamtabschätzung beides, aber generell dreht es sich darum, herauszufinden &amp;quot;who will find reading most difficult&amp;quot;. Es gibt einen Weg in Form einer Methode, die Stein in seiner wissenschaftlichen Laufbahn sehr stark vertreten hat und es hier auch wieder vornimmt. Allgemein scheint die Dyslexie auf der physiologischen Ebene in einer eingeschränkten Fähigkeit zur Verarbeitung bestimmter visueller Information zu beruhen. Diese Annahme bildet die Grundlage von Steins &amp;quot;magnocellular theory of dyslexia&amp;quot; (vgl. DOI:10.1016/S0166-2236(96)01005-3). Wie sie wissenschaftlich bewertet wird, lässt sich sicher in den entsprechenden &lt;i&gt;Journals&lt;/i&gt; nachverfolgen. Die Popularisierung seiner Überlegungen in einer Publikumszeitschreift dürfte nicht allzu nachhaltig wirken. Der Grund dafür liegt gerade im Herauslösen aus dem wissenschaftlichen Umfeld, also im Untermischen einer eher fragwürdigen Ausdeutung sozialer Differenzierungseffekte aufgrund von Lesefähigkeit sowie einem eigenwilligen Verständnis von den Möglichkeiten der Computertechnologie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stein stellt zutreffend fest, dass der Mangel an Lesekompetenz die Entwicklungs- und Handlungsoptionen in einer durch und durch auf Sprachsymbolen und Texten basierenden Kultur deutlich einschränken kann. Entsprechend liegt das Ziel aller Leseförderung darin, die Menschen in einer textuellen Umwelt verstehensfähiger und damit sozial kompetenter werden zu lassen, also die Teilhabemöglichkeiten an der Gesellschaft zu erhöhen. Die neurobiologische Einschränkung der Lesefähigkeit zieht demnach oft deutliche Konsequenzen im sozialen Kontext nach sich. In der Mehrzahl der Schulfächer spielen Lesen, Verstehen und Schreiben von Texten eine zentrale Rolle, mit der Folge, dass Schüler, die damit Probleme haben, an sie gestellte Anforderungen schwieriger erfüllen können. Leider wird diese konkretisierbare Facette von Stein gar nicht berührt. Ihm geht es um einen angenommenen allgemeinen sozialen Ausschlusscharakter von Rechtschreibung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neurobiologisch geht er davon aus, dass das Lesen generell eine Zumutung darstellt, denn das menschliche Gehirn ist eigentlich nicht so recht zum Lesen gemacht:&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;&amp;quot;It is the most complex skill that most of us who don&#039;t aspire to be concert pianists or advanced mathematicians have to master.&amp;quot;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;Rhetorisch ist der Autor jetzt bei der Mehrheit, die vom Lesenlernen sehr gefordert ist: Aus 30% mit niedrigen Lesefähigkeiten sind &amp;quot;most of us&amp;quot; geworden, was natürlich die Dringlichkeit von Steins Ansatz unterstreicht. Nun steht die große Masse einer kleineren Elite, denen das Lesen und vielleicht auch noch das Musizieren und Mathematik leichter fällt, gegenüber. Warum Lesen im Vergleich zu anderen Fähigkeiten herausragend komplex ist, wird leider nicht begründet. Die berühmte Erfahrung zeigt jedoch, dass allein schon das sichere Bewegen im Raum hochgradig komplex ist. Man merkt es nur nicht mehr, weil es ab früher Kindheit verinnerlicht ist. Sprechen - mitsamt der komplizierten Grammatik - ebenso. Und so mancher verinnerlicht das Lesen in gleicher Weise und wundert sich daher, dass es so außergewöhnlich komplex sein soll.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Problem für das Gehirn liegt, so Stein, in der detaillierten Sequenzierung von Einzelbuchstaben. Nicht jedermanns Wahrnehmung bewältigt diese ohne Probleme, zumal wenn es Unterschiede zwischen Klang und Schreibweise eines Wortes gibt. Als Gewährsmann führt er einen Mönch an, der sich im 13. Jahrhundert deutlich und schriftlich belegt über die körperliche Last, die er beim Lesen empfindet, beschwert. Das Lesen mit gebeugtem Rücken ging ihm buchstäblich an die Nieren. Man sollte daher vielleicht besser über die Körperhaltung als über den Rezeptionsprozess reflektieren. Ein stützendes Argument ergibt sich aus dem Zitat jedenfalls nicht zwingend. Eher eine Assoziation mit der Grundschulzeit. &lt;br /&gt;Stein meint aber eigentlich, dass der Mensch nicht so auf eine derart feingliedrige Wahrnehmung ausgerichtet sei, wie sie das Erkennen, Aufgliedern und Wiederzueinanderordnen der Buchstaben erfordert. Die Lettern sind kleine visuelle Partikel, welche in die richtige Reihenfolge gesetzt werden müssen, um die korrekte Entsprechung zu finden. Man könnte nun über das Verhältnis von Bedeutung und Zeichen und die Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen sprachlicher Abstraktion sprachphilosophieren, aber die semantische Ebene interessiert Stein wenig. &lt;i&gt;Konkret&lt;/i&gt; (&amp;quot;a tree is a tree&amp;quot;) oder &lt;i&gt;abstrakt&lt;/i&gt;? ist keine Frage, nicht einmal ein Thema. Ihn stört der dem Menschen seiner Meinung nach nicht sonderlich zupass kommende Zwang zum Detail, dem auch noch negativ anhaftet, dass er den Blick auf das Ganze verdeckt:&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&amp;quot;Often children and dyslexic poor readers are better at seeing large-scale relations across whole scenes and information fields than good readers. That may be why dyslexics so often make good artists and entrepreneurs&amp;quot;&lt;/blockquote&gt;Wie hart der wahre Kern dieser Aussage ist, soll lieber nicht beurteilt werden, aber die mögliche implizierte Schlussfolgerung erscheint doch ein wenig abenteuerlich: Wer gut und exakt liest, verliert sich in der Einzelheit und wem dies nicht gelingt, der behält eher den Überblick. Die Alltagserfahrung lehrt, dass beides auch zusammengeht. Absolut ist diese These also sicher nicht brauchbar und obendrein relativiert die Anspielung auf den Erfolg Steins eigene Annahme der sozialen Differenzierung aufgrund von Lesefähigkeit: Er unterstellt in Hinblick auf die Rechtschreibung, dass diese bewusst vertrackt gehalten wird, um soziale Unterschiede zu zementieren. Je schwieriger die Rechtschreibung, d.h. je mehr sich Schreibung und Aussprache unterscheiden, umso deutlicher wird der Zweck &amp;quot;to define how well educated you were&amp;quot;:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;&amp;quot;So to keep the in-crowd privileged, spelling had to be kept fiendishly difficult.&amp;quot;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;Obwohl es natürlich einen Unterschied zwischen privilegiert und erfolgreich geben kann. Was Sprache angeht, nimmt man jedoch landläufig an, dass es gerade im Vereinigten Königreich die Aussprache ist, die den Unterschied macht. Darüberhinaus, wiederum ein Erfahrungswert, ist davon auszugehen, dass es auch ganz andere, nicht in Schriftzeichen fixierte Codes und Verhaltensweisen gibt, die soziale Grenzen ziehen. Es empfiehlt sich durchaus, wieder einmal den Bourdieu aus dem Regal zu nehmen. Und schließlich folgen selbst bzw. gerade Slang und Jugendsprachen, denen man orthodoxes Befolgen von Duden oder OED (Oxford English Dictionary) beim besten Willen nicht unterstellen mag, genau diesem Ziel: Insider von Outsidern zu unterscheiden. Dem &amp;quot;Spelling&amp;quot; solch eine Funktion unterschieben zu wollen ist vielleicht sogar legitim. Es aber darauf zu begrenzen überhaupt nicht.&lt;/p&gt;Dass Stein schließlich ausgerechnet mit der Lesefähigkeit aufräumen möchte, um die Gesellschaft zu egalisieren, wirkt - vorsichtig formuliert - etwas wunderlich. Selbst wenn 20 Millionen Briten Probleme mit dem Lesen haben, so kommen doch 40 Millionen weitere damit anscheinend statistisch recht gut zurecht. Es ist nicht ganz nachvollziehbar, wieso Stein annimmt, dass diese 2/3 eine Kulturtechnik aufgeben wollen, die sie gut beherrschen und die ihnen vermutlich im Alltag auch weiterhilft, z.B. wenn sie den &lt;i&gt;Standpoint&lt;/i&gt; lesen. Es ist ebensowenig nachvollziehbar, wieso andere Faktoren, die Ungleichheit - und dies vermutlich weit wirksamer - produzieren und reproduzieren in keiner Weise zum Aspekt der Lesefähigkeit ins Verhältnis gesetzt werden. Der Zusammenhang wird schlicht unterstellt und dann unglücklicherweise zur Tyrannei ausgerufen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was bleibt, ist ein Tyrannenmord und als Dolch im Gewande fungieren die digitalen Kommunikationsmedien, die gern verkürzt als &amp;quot;Computer&amp;quot; beschrieben werden, und die, wie man oft, aber nicht explizit bei Stein, hört, das Schreiben und Lesen verdrängen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun ist der Computer aber viel näher an der Schrift, als beispielsweise das Fernsehen, das während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schon ziemlich viel Zeit hatte, das Publikum auf textferne Informationsvermittlung zu orientieren. Das Radio noch länger. Den Computer jedoch - und nicht etwa das Fernsehgerät - sieht Stein als Erweiterung der Kognition, analog zum Violinenbogen, der dem Violinisten die Hand erweitert. &lt;br /&gt;Der Vergleich stimmt und er stimmt nicht. Der Computer ermöglicht tatsächlich eine aktive, schnelle und direkte Interaktion und dies mit einer neuen Wahrnehmungssphäre. Aber bezogen auf Kommunikation ist er nicht ausschließlich: Eine andere Kommunikation, ein anderer Zugang zum Text, ist möglich. Der Violinist kann die Violine nur sinnvoll mit dem Bogen spielen. Er muss diesen führen, will er Musik machen. Die Gleichsetzung von Kognitionswerkzeug Computer und Musikinstrument erfolgt also entweder sehr unreflektiert oder mit der Implikation, dass der Computer alternativlos sein wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies wird häufiger in den virtuellen und gedruckten Raum gestellt, scheint aber nur die klassische Diskussion ums Fernsehen zu wiederholen. Und selbst wenn dem so wäre, fänden sich keinerlei Anzeichen, dass der Computer so wirkt, wie es Stein sich vorstellt: Als ein Instrument, dass den Leseprozess automatisiert und das Gehirn für &amp;quot;Zweckmäßigeres&amp;quot; freisetzt. Was sollte das sein? Eigenartigerweise vernachlässigt Stein, dass der Leseprozess selbst als Bestandteil des Kognitionsprozesses erscheint, auch bei der Computernutzung. Vielleicht meint er auch nur, dass die Regeln von Orthografie und Grammatik bei der digitalen Kommunikation gelockert werden, an Unschärfe gewinnen durfen und man ein Informationsbedürfnis nur irgendwie in den Computer einwirft und dieser dann im semantischen Netz das passende Befriedigung heraussucht und mundgerecht vorsetzt oder vorliest. Es gibt so manchen Vorteil, der in den Erwartungen an das &lt;i&gt;Semantic Web&lt;/i&gt; - bislang meist fern jeder Realisierung - eine Rolle spielt. Dass der Computer dem Menschen jegliche Textarbeit und damit die Möglichkeit der Informationsauswahl aus den Händen nimmt, ist ein ziemlich zweifelhafter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedes Verstehen von Text setzt einen kognitive und individuelle Kontextualisierung voraus, die wiederum im &lt;i&gt;Semantic Web&lt;/i&gt; nach dem angedeuteten Szenario eine Übereinstimmung des individuellen Verständnishorizontes mit einer maschinenlesbaren Entsprechung erfordert. Die Unschärfe im Denken muss automatisch in eine Schärfe im &lt;i&gt;Retrieval&lt;/i&gt; umgesetzt werden. Gerade dies wäre aber nur über den mühsamen Umweg des Zeichens überhaupt annähernd in Umsetzung zu denken. Das Eichhörnchen der Befreiung vom quälenden Lesen könnte sich mühsamer nähren, als Stein es wahrhaben möchte. Von der Erwünschtheit eines solchen Zieles ganz zu schweigen. Der Reduktionismus auf die soziale Differenzierungsfunktion von Lesefähigkeit führt zu einer Ausklammerung der tatsächlichen Funktion von Rechtschreibung und Grammatik: Satzzeichen, Apostrophe, Neben- und Hauptsätze und auch spezifische Schreibweisen erfüllen durchaus sinnstrukturierende Aufgaben, die im Idealfall gerade auch bei einer Phonetisierung von Geschriebenem helfen sowie die Betonung ins richtige Verhältnis zum Gemeinten zu setzen. Es geht darum, die semantische Relation von Gedanken und Ausdruck möglichst eindeutig gestaltbar zu machen. Zurecht nimmt man an, dass Computer eindeutiger funktionieren, als die menschliche Sprache. Allerdings sind auch noch weniger fehlertolerant. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf welcher Seite sich also eine Tyrannei auftäte, ist noch einmal zu hinterfragen. Stein bezieht sich vermutlich im Kern auf eine bestimmte Form sozialer Bewertung, die sich in einer Rechtschreibnote niederschlägt. Aber so problematisch Einschätzungen dieser Art in vielen Fällen auch sind, so sinnvoll vielleicht auch die von ihm so propagierte Methode magnozellulär orientierter Lehrformen - wie auch immer diese konkret aussehen - sein mag: In der Schlußfolgerung schießt er sehr über das Ziel hinaus und mitten in den Widerspruch hinein: Warum noch eine neue Methode und große Anstrengungen zur Verbesserung der Lesefähigkeit, wenn sie die nächste Generation gar nicht mehr benötigt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Fazit:&lt;/b&gt; Die recht krude geschusterte Argumentation Steins scheitert daran, dass er eine spezifische Möglichkeit der Anwendung von Sprache, nämlich die der sozialen Differenzierung auf der Grundlage der Kompetenz im Umgang mit Rechtschreibung und Grammatik, maßlos überbetont und die eigentliche Funktion von Sprache, nämlich Verständigung, idealerweise über eindeutige, bestimmten Regeln folgende Formulierungen, nahezu ausklammert. Der Ausflug in die Neurophysiologie ist zu knapp gehalten, um überzeugen zu können und wie Computer den zur bloßen Zwecktätigkeit degradierten Leseprozess für den Menschen übernehmen sollen, bleibt draußen vor dem Bildschirm. Dass gerade dieser reglementierte Leseprozess Teil des Denkens sein könnte und die Grundlage auch für den Gedanken an das Ende des Lesen erst möglich macht, wird nicht reflektiert. Die Ablösung eines relativen Extrems (&lt;i&gt;richtig schreiben und lesen&lt;/i&gt;) durch ein absolutes (&lt;i&gt;nicht mehr schreiben und lesen&lt;/i&gt;) scheint wirklich nicht erstrebenswert. Man neigt beinahe dem ersten Online-Kommentar zum Thema beizupflichten: &amp;quot;You&#039;re nuts.&amp;quot; Was Stein und &lt;i&gt;Standpoint&lt;/i&gt; mit dem Beitrag wirklich im Schilde führen, ob sie provozieren wollen, bleibt unklar. Auf der syntaktischen Ebene, also der der &amp;quot;complicated rules of grammar and illogical spelling&amp;quot; ist der Text übrigens einwandfrei.   
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    <pubDate>Sat, 17 Jan 2009 00:05:57 +0100</pubDate>
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    <title>Der Tod des Autors, seine Wiederkehr und sein Verschwinden in der Digitalität.</title>
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    <author>nospam@example.com (LIBREAS)</author>
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    &lt;br /&gt;
Anmerkungen zu:&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Rombes, Nicholas (2008): The Rebirth of the Author. In: Kroker, Arthur; Kroker, Marilouise (Hg.): Critical Digital Studies. A Reader. Toronto: University of Toronto Press. S. 437-441&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;von Ben Kaden&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Postmoderne fand im Punkte der Autorenschaft womöglich ausgerechnet im positiven Wissenschaftsverständnis einen frühen Verbündeten. Dies vielleicht sogar früher, als man postmodern dachte. Denn in einer eindeutig erkennbaren, erfassbaren und womöglich kontrollierbaren Welt spielt es weniger eine Rolle, wer sie erkennt, sondern, dass sie nur erkannt wird. Der Wissenschaftler für die Wissenschaft, der Funktionsschreiber lebte, als der Autor noch längst nicht für tot erklärt wurde. Roland Barthes rief den &lt;i&gt;mort de l&#039;auteur&lt;/i&gt; mit literaturwissenschaftlichem Hintergrund in den späten 1960er Jahren aus und wurde reichlich missverstanden. Das Herauspflücken einer schlagkräftigen Formulierung, verwischt manchmal etwas zu sehr den Kern der Sache und alle, die tatsächlich den Tod des Autors vermuteten, hätten durchaus einmal bei der Tatsache stutzen können, dass gerade der, dem diese Feststellung zugeschrieben wird, als Autor zu konkreten Identifikationsindividuum erwächst. Nicholas Rombes, Professor für Literatur an der katholischen &lt;i&gt;University of Detroit Mercy&lt;/i&gt;, rückt genau dieses Missverständnis in der Mittelpunkt und zwar von der Feststellung ausgehend, dass der Autor zu Zeiten der digitalen Kommunikation gar nicht im Nirwana ist, sondern leicht feststellbar überall. Und dann doch wieder nirgends.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
Je stärker der Autor als verschwunden und Mythos beschworen wurde, desto präsenter erschien er. Jedes Distanzieren führte nur zu einem stärkeren Kult. Lars von Trier wollte buchstäblich dogmatisch in keinem seiner Filme mehr als Urheber erwähnt werden, was, da sich die Metamedien ja nicht daran halten, ihn vielleicht sogar gerade dadurch zu dem bekannten Regisseur werden ließ, als der er gilt. Letztlich hat Barthes wohl den Autor durch die Proklamation dessen Todes erst richtig zum Leben erweckt, weil als Diskursbezuggröße massiv aufgebaut. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Vielleicht meinte Barthes seinen Essay gar nicht so streng wissenschaftlich, wie dieser oft rezipiert und diskutiert wurde. Medium der Erstpublikation in den äußerst Bathes-affinen USA war nämlich, worauf Rombes hinweist, das Avantgarde- und frühe Multimediablatt „Aspen“ und zwar die „Minimal Issue“ (Aspen &lt;a href=&quot;http://www.ubu.com/aspen/aspen5and6/threeEssays.html&quot;&gt;No. 5+3, Item 3&lt;/a&gt;) wo er neben Susan Sontags Text über die Ästhetik des Schweigens erschien. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Das Missverständnis liegt nun darin, dass bestimmte (nicht genannte) „career academics“ die Überlegungen Barthes nicht als Idee, sondern als  Manifest ihrer Zeit lasen. Sowohl die ihn verstanden zu haben glaubten, wie die, die ihn verwarfen, taten dies leider so absolut, wie man sich Wissenschaft nun mal vorstellt, nahmen ihn selten als das, was der kleine Text eigentlich war: „playful, slippery, aphoristic, and often poetic“ und schoben ihn in einen so trockenen wie humorfreien und streng wissenschaftlichen Zusammenhang. Ziel ganzer Folgegenerationen von angehenden Wissenschaftlern war es, so Rombes, alles bourgeoise und damit auch die Rolle des Persönlichen, Individuellen soweit als möglich aus ihren Arbeiten zu tilgen. Oder kurz: Die Freuden des Textes („the pleasures of the text“), die nicht studiert, sondern gelebt werden. Willkommen in der harten Wissenschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Worum es (wohl auch bei Barthes) geht, wurde selten benannt: Nämlich das der Autor kein Gott ist, der autonom eine Welt schöpft, sondern, dass in jedem Werk dahingehend ein Eigensinn steckt, dass der Autor mehr kombiniert, was er sieht, erfährt, erfühlt und in eine eigene Form gießt, als dass er etwas Niedagewesenes auf den Tisch wirft.  Nicht das Original zählt, sondern die Kombination und wie sehr wir in einer kombinatorischen Kultur, im Kult des Zitats leben, führt uns die Schlüsseltechnologie Hypertext vor Augen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Dank der leichten, spielerischen und vielfältigen Ausdrucksformen, die WWW und Web 2.0 so bieten, ist die Autorenschaft, die objektiv nie verschwunden war, nun prominenter denn je. Die Hürde von Lektorat und materiellen Publikationsgrenzen ist gefallen. Jeder kann mit wenig Mitteln und so wie er es für richtig hält. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Persönliche Websites und Blogs, schreibt Rombes, bringen den Autoren in eine „tyrannical presence“. Das Verwischen von öffentlicher und privater Sphäre hat dazu geführt, dass wir nun alle Autoren sind – „We are all auteurs.“ Wir sind alle Schriftsteller, alle (Youtube-)Filmemacher und in unserer Selbstbezüglichkeit alle Theoretiker dessen, was wir tun. Gerade im Web gilt Anonymität, so Rombes, als ein Zeichen von Schwäche – oder, so kann man ergänzen, eben auch als eines von Stärke, je nachdem, von welcher Popularitätshöhe man sich als Autor zurückzieht. Für einen Sänger namens Prince, der das Spiel mit den Zeichen bis hin zu seinem nicht aussprechbaren „Love Symbol“ 1992, als kurz vor dem WWW, sehr gut beherrschte, führte die Distanzierung von jeglichem Namen gerade nicht konsequent in die Vergessenheit seiner Individualität. Da hätte er besser das Aufgehen der eigenen Person in einer Band mit einem großen Namen versuchen sollen, aber dies war auch gar nicht sein Ziel. Der Tod des Autors erscheint vielmehr in der freundlichen Form als Spiel mit Identität und Identitätszeichen. In der verknöcherten Variante dagegen als posthumaner und daher der menschlichen Wesensart ferner Unsinn. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Die Individualität kehrt, so schreibt Rombes und so liest man es auch anderen Stellen, beispielsweise mit der &lt;i&gt;Blogscience&lt;/i&gt; mehr denn je in die Wissenschaft zurück.  Auch in die &lt;i&gt;Hard Sciences&lt;/i&gt;. Der &lt;i&gt;Science Citation Index&lt;/i&gt;, wohl einst als neutrales Werkzeug zur Wissenschaftsmessung gedacht, ist schon seit er bekannt wurde in der Nebenfunktion Barometer von ganz individuellen Ausdrucks- und vor allem Reputationswünschen. So scheint es, Rombes Text als Rückendeckung genommen, als zöge die Etablierung von Blogs als anerkannte Formen der Darstellung mehr oder weniger originärer wissenschaftlicher Erkenntnis hier einfach das Mäntelchen der vermeintlich objektiv-rationalen Textproduktion durch „Funktionsschreiber“ zur Seite, vielleicht um es in die Schmutzwäsche zu werfen, vielleicht um es gänzlich auszusondern. „Confronted with the spectre of the public sphere, academics are learning to write again“ überzieht der Autor Rombes den Bogen dann auch ein wenig. Immerhin: Vielleicht gab (und gibt) es sie wirklich einmal, die Schreiber, die Text kreierten und hinter diesem verschwinden, wie Übertragungsmedien. Die dominierende Textproduktion im digitalen Umfeld wird jedoch nicht mehr von Schreibern vorgenommen, auch nicht von Autoren, sondern von protokollierenden Maschinen. Rombes deutet dies an, aber leider eben nur das. Schade, dass er es nicht auf den Punkt bringt, aber vielleicht sieht er es auch etwas anders. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Denn eigentlich existieren in der digitalen Sphäre ein schönes Nebeneinander von Autorenschaften: Kollaborative Schreibprojekte wie die Wikipedia, die partout jegliche subjektive Färbung auszumerzen versucht, die Subjektivität des Avatars, hinter dem sich einer oder mehrere Akteure verstecken können, der Autor, der deutlich nachvollziehbar und klarnamentlich seine eigenen Texte ins Spiel bringt und über allen, der Metatext der Hypertexte: Die Datenbankstruktur, die XML-strukturierten Schnipsel, die Zugriffsstatistiken, Klickraten, die Protokollierung jeder Aktivität im Netz – ein sich selbst permanent schreibender, bedeutungsfreier Übertext, in Kooperation von Mensch und Maschine verfasst und mehr von der Maschine als vom Menschen lesbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Der Fluß fließt also zugleich in zwei Richtungen: Einerseits wird das Web individueller denn je, mit Millionen täglichen Urhebern, die meist genannt sein wollen, manchmal aber auch mehr oder weniger selbstlos zurücktreten hinter dem Ziel, Wissen und Geschehen der Welt in einer entpersonalisierten Web-Enzyklopädie zusammenzuspeichern. Andererseits macht die freie Kombinierbarkeit, Filterbarkeit, das beliebigen Zusammenstellen, Kopieren und Verweisen des Hypertext-Universums aus all dem potentiell unendlich viele, automatisch erzeugbare Texte. Google ist ein permanenter Autor, das &lt;i&gt;Internet Archive&lt;/i&gt; genauso, mein &lt;i&gt;Netvibes&lt;/i&gt; auch und die diversen Datenbanken sind ebenfalls dynamische Sammelbände ohne Ende. Sie sind Autoren, weil sie durch die Kombination von menschlich erzeugten Texten, Bildern, Filmen und ähnlichen, mit automatisch generierten Verknüpfungen, Ähnlichkeiten und Metadaten Textstrukturen hervorbringen, die Mensch je so gedacht hat und auch kaum denken kann. Die Idee kommt hier vom Menschen, die Ausformulierung erfolgt automatisch. Was diesen selbsterzeugenden Übertexten jedoch fehlt und was sie von jedem vom Menschen erzeugten Text unterscheidet, ist der Aspekt der Bedeutung. Die automatischen Texte sind den automatischen Autoren bedeutungslos, buchstäblich übrigens, denn sie weisen aus dem in ihnen erfassten digitalen Universum kein Bit hinaus. Und was drinnen ist, ist aufs letzte Bit erfasst. Sie sind abgeschlossen und in sich perfekt, wenn paradoxerweise auch nie fassbar, da hochgradig selbstreferentiell. Und für den Menschen nur eingeschränkt begreiflich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Gegen diesen perfekten Text  bzw. gegen das allgemeine Bestreben der immer präziseren Erfassung und medialen Remodellierung der Realwelt, also eine technologisch hergestellte „a more perfect, flawless reality“ setzt Rombes den Autor als imperfektes, fehleranfälliges, mehrdeutiges, irrationales und daher menschliches Wesen. In einer offensiveren Schreibart hätte er vielleicht sogar seinen Text daraufhin zuspitzen können, dass es notwendig erscheint, um den menschlichen Autor in seiner Inkommensurabilität zu bewahren, ab und an die perfekten Texte zu unterlaufen, in dem man Texte neben der Digitalität thematisiert. Denn es scheint nicht so sehr verfrüht, danach zu fragen, wie und ob es überhaupt möglich (und auch erstrebenswert) ist und sein wird, Texte und Öffentlichkeit jenseits dieser verfassen und rezipieren zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Thu, 08 Jan 2009 17:26:30 +0100</pubDate>
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    <title>Gedanken im Anschluss an Katrin Weller, Dominic Mainz, Indra Mainz; Indra und Ingo Paulsen (2007) Wissenschaft 2.0? Social Software im Einsatz für die Wissenschaft.</title>
    <link>http://www.heureux.de/journal/index.php?/archives/14-Gedanken-im-Anschluss-an-Katrin-Weller,-Dominic-Mainz,-Indra-Mainz;-Indra-und-Ingo-Paulsen-2007-Wissenschaft-2.0-Social-Software-im-Einsatz-fuer-die-Wissenschaft..html</link>
            <category>Verschiedenes</category>
    
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    <author>nospam@example.com (LIBREAS)</author>
    <content:encoded>
    &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Katrin Weller, Dominic Mainz, Indra Mainz; Indra und Ingo Paulsen (2007) Wissenschaft 2.0? Social Software im Einsatz für die Wissenschaft. In: Ockenfeld, Marlies (Hrsg.): Information in Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft. 29. Online-Tagung der DGI. 59. Jahrestagung der DGI. Frankfurt am Main 10. bis 12. Oktober 2007. Frankfurt am Main: DGI e.V. 2007, S. 121-136&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;- Ein Kommentar von Ben Kaden -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Ein&lt;/b&gt;&lt;span class=&quot;vline&quot;&gt;&lt;b&gt; neues Web, voll Leben, Muth und Kraft&lt;/b&gt;...&lt;b&gt;?&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wer auf der diesjährigen Buchmesse umherstreifte (oder auch nur die Medien- bzw. Wirtschaftsseiten der Tagespresse der letzten Monate&lt;br /&gt;
mit dem halben Auge verfolgte), weiß, was die Stunde geschlagen hat, nämlich, dass das Web 2.0 nun endgültig Mainstream-Thema geworden ist. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Einerseits nimmt dadurch die Quantität des Textaufkommens zum Phänomen noch einmal enorm zu und die &lt;i&gt;Early Adpoter&lt;/i&gt; werden sich, wie das so bei Trends üblich ist, vielleicht etwas frustriert wiederfinden, wenn auf einmal Boulevardzeitungen all die Werkzeuge zur Kundenbindung nach dem Prinzip des Prosumer (Produzent+Konsument in einem) benutzen und umsetzen, von denen vor drei, vier Jahren kaum jemand etwas wissen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Andererseits ergibt sich aus der Zunahme der Aufmerksamkeit und der Marktrelevanz auch ein enormer Entwicklungs- und Differenzierungsschub, an dessen nächstem Etappeziel womöglich stehen wird, dass &lt;i&gt;Social Tagging&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Social Search&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Social Navigation &lt;/i&gt;nunmehr Alltagswerkzeuge sind, von denen man fast nicht glauben mag, dass es sie nicht schon immer gab - so wie es uns heute mit schlichten Volltextsuchmaschinen, E-Mail und Online-Buchhandel geht. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Da nun für nahezu alle Bereiche der Kommunikation entsprechende Werkzeuge zur elektronischen Umsetzung verfügbar sind, ist es nur folgerichtig, dass sich auch die Wissenschaftskommunikation des Web 2.0 für ihre Zwecke bedient, obschon die Wissenschaftler – jedenfalls bestimmte Disziplinen – weitaus stärker als berücksichtigt, sehr(!) früh Nutzer elektronischer Kommunikationsmittel waren. Die frühen Formen sahen allerdings etwas grobschlächtiger aus, waren häufig schwieriger zu bedienen und hatten nicht den unmittelbaren Interaktionsgrad, den uns AJAX etc. heute in den Anwendungen bieten. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Poltern wir nun in die Ära einer Wissenschaft 2.0? Katrin Weller, Dominic Mainz, Indra Mainz und Ingo Paulsen tun ganz recht daran, die Überschrift ihres Beitrags für die diesjährige Online-Tagung der DGI mit einem Fragezeichen zu versehen. Die dazugehörige Präsentation konnte ich leider nicht besuchen, der in den &lt;i&gt;Proceedings&lt;/i&gt; enthaltene Beitrag bietet sich allerdings sehr für eine nähere Betrachtung an und damit einen Anlass, das etwas vernachlässigte LIBREAS-Referate-Blog neu anzustupsen, wobei gleich ein Nebenaspekt deutlich wird, der in dem Beitrag des Autorenteams leider keine Beachtung findet: Wie steht es mit dem Zeitmanagement, bzw. wer soll all das in Ruhe lesen, verarbeiten und möglichst noch kommentieren, was dank des Unmittelbaren der Weblogs als (Semi)Publikationsmittel in ziemlich geringen Zeitabständen durch die Newsfeeds flitzt?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;
Auch dies ist eine Frage für eine „Wissenschaft 2.0“, die ihre Antwort harrt. Und es gibt weitere – dazu später mehr. Der gut und schnell lesbare Beitrag verfolgt das buchstäblich grundlegende Ziel, „Einblicke in neue Ansätze des Web 2.0, vor allem dahingehend, wie gemeinschaftlich Wissen und Daten gesammelt,  aufbereitet und verwaltet werden können“ zu geben. Das „neu“ erscheint mir deplaziert, da ich mir nicht so richtig „alte“ Ansätze des Web 2.0 vorzustellen vermag, aber das ist nun ein bisschen stilistische Haarspalterei und eigentlich sekundär. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Primär ist das Verfahren der Autoren, dass a) ein eher allgemeines Vorstellen der Social Software-Anwendungen und b) ein konkretes Prüfen in Hinblick auf die Wissensgewinnung bzw. des Wissensmanagements in der Wissenschaft umfasst. Der erste Abschnitt beschreibt zunächst einmal den „Wandel zum Web 2.0“ und fasst dabei die wichtigsten Entwicklungslinien seit Tim O’Reilly bis zur eScience zusammen. Leider wird hier auch wieder die „neue Ära“ ausgerufen, in der der Nutzer &lt;i&gt;Prosumer&lt;/i&gt; wird, wobei ich mich frage, ob sich denn niemand an die nicht gerade kleine Online-Community &lt;i&gt;Geocities&lt;/i&gt; erinnert (oder auch an das &lt;i&gt;Usenet&lt;/i&gt;). Einfach waren die  Teilhabemöglichkeiten – abgesehen von dem nicht selten schwierigen Netzzugang – dort ebenfalls, allerdings grafisch meist nicht ganz so ansprechend. Und auch die Merkmale einer Many-to-Many-Kommunikation ließen sich dort finden. Zudem galt bereits dort, dass für die Nutzer „anstelle der Vernetzung von Computern in einem Netzwerk…die Beziehungen der Benutzer im Vordergrund“ steht. Dies ist also kein Novum, das Wordpress und Facebook etc. in die Welt brachten, wie manchmal behauptet wird (hier mit dem schnell+kompakt Leitfaden „Social Software“ von Martin Szugat , Jan E. Gewehr und Cordula Lochmann (Frankfurt/Main: Entwickler.press, 2006) im Zitat, S. 121).&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist also nicht ganz &lt;i&gt;neu&lt;/i&gt; aber ganz richtig und wichtig, dass Computer und die plattformbasierten Softwarelösungen Infrastrukturelemente zum Zweck der Sozialen Vernetzung darstellen. Auch wird niemand bestreiten, dass die dafür entwickelten Oberflächen mit vielseitiger Nutzung des Hypertextprinzips, die beispielsweise &lt;i&gt;Social Tagging&lt;/i&gt; erst möglich macht, einen Qualitätssprung darstellen. Und auch wenn die Idee an sich nicht neu ist, so erscheinen die Communities auf StudiVZ und MySpace durchaus anders, als die, die über Usenet ihre Interessen diskutierten und sich manchmal auch verabredeten. Was bis heute gleich bleibt, ist, dass eine Community nur ab einer gewissen Teilhabebereitschaft und/oder kritischen Masse der Benutzer vital&lt;br /&gt;
bleibt. Was damals die E-Mail war, sind heute Weblog oder Wiki. Im Ansatz neuartig ist vielleicht der Objektbezug, wie er beispielsweise den Wikis oder auch Connotea zugrunde liegt, d.h. dass mehrere Nutzer gemeinsam ein Dokument entwickeln oder beschreiben. Aber eigentlich liegt die Innovation auch nur in der leichteren Möglichkeit, die die Anwendungen „Sozialer Software“ bieten, denn von Gruppen gemeinsam gepflegte themenspezifische Webseiten gab es ebenfalls bereits tief in den 1990ern. Nur waren diese nicht ganz so öffentlichkeitswirksam und erfolgreich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Netzwerk Wissenschaftskommunikation&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nun aber zur Wissenschaft: „Fest steht, dass Kooperationen in der Wissenschaft einen wachsenden Stellenwert einnehmen“ schreiben die Autoren und auch diesen Satz kann so spätestens seit der Entdeckung der &lt;i&gt;Big Science&lt;/i&gt; formulieren, ohne verkehrt zu liegen. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
Dabei ist die Wissenschaft, seit sie entsprechende übergreifende Kommunikationsmedien nutzt, (Journals) eine große Kopperationsgemeinschaft mit zahlreichen Untergemeinschaften, in denen gemeinschaftlich (oder auch kollaborativ) Erkenntnis erzeugt, kommuniziert und nachgenutzt wird. Auch die Notwendigkeit „neuer Kommunikationskanäle und Hilfsmittel“ (S. 122), trägt bereits der Ursprung des WWW, der durchaus in der Wissenschaft(skommunikation) zu verorten ist, als Leitgedanke. Insbesondere für die Wissenschaftskommunikation war das Netz schon immer „sozial“: Das &lt;i&gt;arXiv&lt;/i&gt;, auf dem Wissenschaftler Inhalte für den über elektronische Netze vermittelten Zugriff durch andere Wissenschaftler zur Verfügung stellten, gibt es seit 1991. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Allerdings hat es bekanntlich seitdem zahlreiche Innovationen gegeben, die das Spektrum der Möglichkeiten bemerkenswert erweiterten und die besonders im Web 2.0-Bereich keinen direkten  wissenschaftlichen Hintergrund mehr aufweisen. Das kommerzielle WWW ist - die elektronischen Zeitschriften einmal ausgeklammert - wenig wissenschaftsorientiert, sondern erwirtschaftet seine Umsätze in ganz anderen gesellschaftlichen Sphären. Parallel dazu vollzogen und vollziehen sich Innovationen in der Computer-Hardware – von der allgemeinen Leistungszuwächsen der für Endnutzer verfügbaren Geräte bis hin zur Aufrüstung der Übertragungsinfrastruktur, die weiträumige Dauerzugänge mit hohen Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Simplifizierung der Oberflächen und die sukzessive Gewöhnung an die Verfahren der Webkommunikation, die vor 10 Jahren so noch nicht gegeben war, führt, so meine These, einfach zu besseren Voraussetzungen, nun auch das zwischendurch etwas angestaubte Wissensmanagement zu reaktivieren und mit neuen, attraktiveren elektronischen Hilfsmitteln einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das für mich eigentlich Interessante des Textes von Weller, Mainz et al. liegt in den verschiedenen Dimensionen, die die Autoren für den Einsatz Sozialer Software in der Wissenschaft entwerfen: &lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;1. Der Wissenschaftsbetrieb als Unternehmen Dieser Aspekt greift Web 2.0-Anwendung vorwiegend im Sinne einer Wissenschaftsvermarktung – oder vielleicht etwas breiter angesetzt – als Werkzeug zur Unterstützung der Wissenschaftsvermittlung, also etwas, was gemeinhin mit &lt;i&gt;Public Understanding of Science&lt;/i&gt; gemeint wird, auf. Die Autoren nennen es „Öffentlichkeitsarbeit“. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;2. Die zweite Dimension zielt auf die Koordination von Wissen in abgeschlossenen Arbeitsgruppen und lässt sich vielleicht knapp als Fortsetzung der &lt;i&gt;Groupware&lt;/i&gt; mit anderen, nämlich einfacher nutzbaren, Mitteln beschreiben, die obendrein bessere externe Anschluss- und Vernetzungsmöglichkeiten bieten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;3. Die dritte Dimension greift am weitesten, denn sie umschließt das Feld der Publikation („Verbreitung...“) sowie des Diskurses („…Diskussion wissenschaftlicher Inhalte“). Neu ist dabei vor allem auch die Verfügbarkeit direkterer Kommentar- und Annotationsmöglichkeiten, wobei dieses „Referat“ zum Text gleich ein Beispiel verkörpert. Neben Publikation und Diskussion bildet die „Informationsversorgung“ den dritten Baustein der dritten Dimension.&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Interessant erscheint mir beispielsweise in Hinblick auf Wikis die Frage, wie sich eine auf Reputation bezogene Wissenschaftskultur, in der Erkenntnisäußerungen und vor allem -zitationen idealerweise einem konkreten, individualisierbaren Autor zuschreibbar sind, mit einer Wikikultur, die den individuellen Autor in gewisser Weise auflöst, in Übereinstimmung zu bringen sind. Hier bleibt, wie die Autoren auf S. 124 bemerken, breiter Diskussionsbedarf. Vielleicht kann man im Charakter des ewigen „Perpetual Beta“ von Texten der Wikipedia, die sich verändern, wenn etwas Neues zu einem Gegenstand bekannt wird, auch eine Demaskierung der Illusion von „final works“ in der Wissenschaft sehen. Denn eigentlich ist jeder Text nur eine „work in progress“, nämlich Grundstock für Anschlusserkenntnis und neue Texte. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Abgeschlossenheit gilt also genau genommen nur für die Form. Der Inhalt – so nach meinem Verständnis auch das Ziel der Wissenschaft – soll selbstverständlich über die Grenze dieser Form hinaus wirken. In der Wikipedia fallen Inhalt und Form interessanterweise sehr direkt zusammen. Ob und wie dieses Prinzip aber auf die tradierten Textformen der Wissenschaftskommunikation tatsächlich übertragbar sein kann, ist in der Tat ein erstklassiger Diskussionsgegenstand in den Debatten um Web 2.0, Bibliothek 2.0 und „Wissenschaftskommunikation 2.0“.&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der auf S. 125 erwähnte didaktische Wert der Sozialen Software besitzt momentan sicher größere Bedeutung und Anwendungsnähe als ihre Rolle in der eigentlichen Wissenschaftskommunikation – die eventuelle Nutzung von Wikis in geschlossenen Kontexten zur kollaborativen Produktion von Primärtexten einmal ausgeklammert. Entsprechend wäre ein Ansatz auch die Herausdifferenzierung einer „Dimension“ an einer Grenzlinie zwischen Lehrkommunikation und Forschungskommunikation. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als sehr interessant erscheint mir persönlich die verstärkte Nutzung des &lt;i&gt;Social Networking&lt;/i&gt; in Hinblick auf die Kontaktaufnahme von Experten. Die Wissenschaft funktioniert an dieser Stelle ähnlich zu einer ganzen Reihe anderer kultureller Facetten der Gesellschaft: Über gemeinsame Interessen werden Kontakte geknüpft und über Bekanntschaftsverwaltungen (die in den Angeboten häufig leider den Ausdruck aushöhlend „Freund“ genannt werden) recherchier- und verwaltbar sind. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das &lt;i&gt;Nature Network&lt;/i&gt; (&lt;a href=&quot;http://network.nature.com/&quot;&gt;link&lt;/a&gt;), in dessen Umfeld beispielsweise auch Connotea (&lt;a href=&quot;http://www.connotea.org/&quot;&gt;link&lt;/a&gt;) gehört, nutzt das Verfahren für die Zielgruppe &lt;i&gt;Wissenschaft&lt;/i&gt;, so wie Xing eher im Geschäftsbereich und StudiVZ auf Studenten zugeschnitten ist. Die Differenzierung ist sinnvoll und notwendig, um das Abgebot an entsprechende Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen adressieren zu können. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Von den drei Dimensionen – (1) Außenwirkung, (2) Kooperation und (3) Publikation, Kommunikation und&lt;br /&gt;
Datenmanagement – ist hier die zweite angesprochen. Die gemeinsame Datenverwaltung, also der Punkt, an dem sich Dinge wie &lt;i&gt;Repositories&lt;/i&gt; oder auch Publikationsserver mit direkten Web 2.0-Elementen treffen können und sollten, fungiert in gewisser Weise als Schnittstelle zwischen Kooperation und Datenmanagement, lassen sich doch die Expertenprofile anderer Wissenschaftler – also der Kern des &lt;i&gt;Social Networking&lt;/i&gt; – auch als Daten, die es analog zu relevanten Publikationen oder – wie bei Swivel (&lt;a href=&quot;http://www.swivel.com/&quot;&gt;link&lt;/a&gt;) etc. – Rohdaten sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Für Bibliotheken und die Entwicklung der Kataloge hin zu personalisierbaren Arbeitsoberflächen im Sinne dessen, was momentan unter der Bezeichnung &lt;i&gt;Cloud Computing&lt;/i&gt; thematisiert wird, geht es vermutlich auch längerfristig primär um die Verwaltung von „Literatur“, wobei dieser Begriff in Anbetracht von – allerdings momentan noch nicht allzu hoch entwickelten Phänomenen wie der&lt;i&gt; Blog Science&lt;/i&gt; u.ä. – nicht mehr auf bestimmte Medientypen festlegbar ist und damit mehr oder weniger frühe Ideen der Dokumentation wieder aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dass &lt;i&gt;Folksonomies&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Social Tagging&lt;/i&gt; demnächst Bestandteile der OPACs 2.0 sein werden, wird sicher kaum noch bezweifelt. Die Verknüpfung von durch Nutzer vergebenem unkontrollierten Vokabular und dem kontrollierten der Bibliotheksklassifikationen sowie den normierten Schlagwörten stellt obendrein einen idealen Lernparcour für das &lt;i&gt;Semantic Web&lt;/i&gt; dar – lassen sich doch die auf konkrete Objekte bezogenen idealen und realen Eigenschaftszuweisungen, die zahlreiche Anschlussverknüpfungen besitzen, prima ab&lt;i&gt;crawlern&lt;/i&gt;. Elaborierte Vorschlagssysteme sind dabei – so jedenfalls die Fantasie – nur ein mögliches Ergebnis. Den hier besprochenen Aufsatz zieht es nicht ganz so weit in diese Richtung, aber einige Elemente, z.B. FOAF, werden erwähnt. Generell bleibt er aber bei einer annotierten Bestandsaufnahme und diese fällt in der Gesamtschau sehr gut und überzeugend aus. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die abschließend formulierten Szenarien fragen einerseits, ob die Wissenschaft „speziell maßgefertigte Tools benötigt“ oder „allgemein zugängliche Angebote unverändert genutzt werden können.“ Hier argumentiere ich entschieden für die erste Variante und sehe für Bibliotheken wunderbare Ansatzpunkte, wenn es ihnen gelingt, ihre Kataloge um entsprechende Funktionalitäten zu virtuellen Arbeitsräumen mit &lt;i&gt;Social Networking&lt;/i&gt;, Diskursplattformen und Quellenmanagement zu erweitern. Die &lt;i&gt;Nature Publishing Group&lt;/i&gt; arbeitet, wie man unschwer sieht, seit ein, zwei Jahren offensiv an solchen Angeboten. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Andererseits unterscheiden die Autoren danach, ob Werkzeuge „innerhalb der Kooperation einer festen Arbeitsgruppe benötigt werden oder ob ein Austausch mit einer allgemeinen, offenen Interessengemeinschaft über das Internet unterstützt werden soll.“ (S.133) Hier sollte die Antwort m. E. „sowohl als auch“ heißen. Ideal wäre eine entsprechend, wie man so schön sagt, &lt;i&gt;skalierbare&lt;/i&gt; Lösung, die sowohl &lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;br /&gt;
a) die Ebene des Einzelnutzers und seine individuelle Verwendung der entsprechenden Werkzeuge im Sinne eines PIM (Personal Information Management), &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
b) die Möglichkeit geschlossene Arbeitsgruppen, z.B. zu bestimmten Projekten und &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
c) die Option für eine größere &lt;i&gt;Scientific Community &lt;/i&gt;mit Anschlussstellen an die allgemeine Öffentlichkeit&lt;/blockquote&gt;berücksichtigt.&lt;p&gt;Es bleibt jedoch die Frage, ob die Wissenschaftler dies überhaupt wollen und darauf weist der letzte Satz des Beitrags hin, der für mich der wichtigste ist: &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;„Für den Erfolg von Social Software in der Wissenschaft wird auch eine entscheidende Rolle spielen, wie weit die wissenschaftliche Welt zu&lt;br /&gt;
Formen von Open Science bereit ist und inwiefern neue Angebote den Aufbau wissenschaftlicher Reputation unterstützen.“ (S.133)&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;
Entsprechend würde ich das „auch eine entscheidende“ in „die entscheidende“ umformulieren. Denn die &lt;i&gt;Prosumer&lt;/i&gt; im Kommunikationssystem der &lt;i&gt;Wissenschaft 2.0&lt;/i&gt; sind nur dann &lt;i&gt;Prosumer&lt;/i&gt;, wenn sie auch etwas „produzieren“, also das System, das besonders in puncto Vernetzung ganz andere Möglichkeiten als das Usenet der frühen 1990er Jahre bietet, aktiv nutzen.&lt;p&gt;&lt;b&gt;Anschlussfragen&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;In der Ergänzung dazu möchte ich die Gelegenheit nutzen und zwei Anschlussfragen aufwerfen:&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;b&gt;1.&lt;/b&gt; Was in der Diskussion m.E. häufig zu kurz kommt, ist die Frage, wie vertrauenswürdig die jeweiligen Akteure, auf die man bei den im Text genannten Web 2.0-Anwendungen zurückgreift, sind. Ist es erstrebenswert, die Wissenschaftskommunikation über in der Hauptsache kommerzielle Akteure (Yahoo, Google) zu vermitteln, die nicht unbedingt dieselben Ansprüche, wie sie der gemeinhin dem Idealtypus des hauptsächlich auf Erkenntnisproduktion hin arbeitenden Wissenschaftlers entsprechen, aufweisen? Eine Abhängigkeit ist sicherlich unvermeidbar, aber eventuell sollte man intensiver als bisher darüber reflektieren, was dies für die Wissenschaftskommunikation bedeutet bzw. bedeuten kann? &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oder ist dieser Typus eines hauptsächlich mit dem Primat Erkenntnisproduktion als Wert an sich forschenden Wissenschaftlers ohnehin passé, da in der Big Science auch die Wissenschaft vorwiegend über Wirtschaftlichkeit und möglichst auch eine Ausrichtung auf eine kommerzielle Nachverwertung über Start-Up-Unternehmen etc. organisiert wird? &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;b&gt;2. &lt;/b&gt;Wie verfahren wir in einer gemeinhin von den auf Innovation orientierten STM-Fächern dominierten Entwicklung in der Wissenschaftskommunikation mit den eher argumentativen geisteswissenschaftlichen Fächern und ihren Forschungsfragen, die sich nur bedingt mit entsprechenden Nachnutzungen in Übereinstimmung bringen lassen? Gerade hinsichtlich der diversen Wissenschaftskulturen sehe ich größeren Differenzierungsbedarf, sowohl was die Frage nach einem sinnvollen Einsatz wie auch der jeweiligen Ausdifferenzierung der elektronischen Kommunikationsmittel betrifft. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Daraus ergibt sich zwangsläufig die grundsätzliche Frage, inwieweit sich die Diskurse in den Wissenschaften an die bestehenden Möglichkeiten zur Kommunikation anpassen und inwieweit die Möglichkeiten der Kommunikation an bestehende Diskurspraxen angepasst werden. Auch wenn die Kybernetik nicht mehr ganz en vogue ist, scheint mir der Lösungsansatz hier die Rückkopplung zu sein. Auch hier wird es am Ende sich auf ein &amp;quot;Sowohl-als-auch&amp;quot; hinauslaufen und für die Bibliothekswissenschaft ergibt sich daraus die Aufgabe, das &amp;quot;wie&amp;quot; zu gestalten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;----------------------------&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ben Kaden, 18. Oktober 2007&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 24 Oct 2007 17:16:35 +0200</pubDate>
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